Mühlacker Tagblatt vom 01.10.2011

An der Enz fehlt ihm nur das Meer

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Von der algerischen in die deutsche Nationalmannschaft: Toufik Faci, hier mit seiner Frau Heike Raab-Faci, ist auf dem Weg. Foto: Stahlfeld

 

Der gebürtige Algerier Toufik Faci arbeitet beim Bouleclub Mühlacker auf sein Ziel hin: Einsätze in der deutschen Nationalmannschaft

In Deutschland gehört Boule zu den Randsportarten. In Algerien dagegenist es ein Volkssport. Toufik Faci kommt aus dem Land im Norden Afrikas und hat kein geringeres Ziel als die Aufnahme in die deutsche Boule-Nationalmannschaft. Deutscher Meister im Tête–à-Tête ist der Lienzinger schon.

Von Ulrike Stahlfeld

Mühlacker. Als einstige Kolonialmacht hat Frankreich nicht nur die Sprache Algerien geprägt, sondern auch die sportlichen Vorlieben. Das Boulespiel wird heute noch den Algeriern quasi in die Wiege gelegt. Boule-Turniere mit 3000 Teilnehmern sind deshalb für Toufik Faci nichts Ungewöhnliches. Vor 37 Jahren in Bordj El Kiffan, 16 Kilometer von Algier entfernt, geboren, begann er bereits mit sieben Jahren Boule zu spielen. Weil ihm als Kind das Geld für richtige Boulekugeln fehlte, übte er zunächst mit Steinen.

Die Trainingsvoraussetzungen mochten zu Beginn nicht die besten gewesen sein, Toufik Faci ging dennoch seinen Weg. Mit 21 Jahren spielte er das erste Mal in der algerischen Nationalmannschaft. In speziellen Turnieren hatte er sich als bester Spieler für die Teilnahme qualifiziert.

Es folgten zahlreiche Einsätze auch im Ausland. Zuletzt spielte er 2005 und 2006 in der Schweiz. Seinen Erfolg hat sich Toufik Faci nicht nur mit großem Trainingsfleiß erworben. „Er hat auch Talent“, bescheinigt ihm Ehefrau Heike Raab-Faci, die gemeinsam mit ihm beim Bouleclub Mühlacker trainiert, wo beide auch Mitglied sind. Toufik Faci und Heike Raab-Faci haben 2009 geheiratet, nachdem sie sich 2005 beim Boulespielen in der Schweiz kennengelernt hatten. Das Paar lebt in Lienzingen. Heike Raab-Faci ist selbst eine erfahrene Boulespielerin. Sie spielt seit 26 Jahren und trainierte unter anderem den baden-württembergischen Nachwuchs.

„Er spielt taktisch klasse, ist risikobereit und vor allem ganz ruhig“, weiß sie deshalb die Stärken ihres Ehemannes richtig einzuschätzen. Längst sind auch andere Clubs in Deutschland auf den angenehmen Spieler aufmerksam geworden, der vor wenigen Wochen, im August 2011, seinen bislang größten Erfolg in Deutschland erspielte. Beim Turnier in Rastatt wurde er Deutscher Meister im „Tête–à-Tête“, so nennt man im Boulesport einen Einzelwettbewerb.

Bereits im Dezember 2010 hatte er mit dem Bouleclub Edingen-Neckarhausen, wo er seine Lizenz hat, den Pokalsieg errungen. Sein Team wurde die beste Vereinsmannschaft in Baden-Württemberg. Im Februar 2011 siegte er im internationalen Vergleich als baden-württembergischer Kaderspieler. Im Juli dieses Jahres wurde Toufik Faci baden-württembergischer Landesmeister im Mixte und ebenfalls im Juli erkämpfte er mit seinem Verein den ersten Platz in der baden-württembergischen Liga. Am 29. und 30. Oktober finden die Relegationsspiele um den Aufstieg in die Bundesliga statt. Zum Team gehören Toufik Faci, seine Ehefrau sowie deren Söhne Dominik und Marcel.

„Drei von zehn Mannschaften steigen auf“, steigt schon beim Gedanken an das Turnier bei Heike Raab-Faci Nervosität auf. „Wenn du mit der Kugel spielst und nervös bist, kannst du nicht gewinnen“, stellte dagegen Toufik Faci ganz ruhig fest. Ihn bringen auch die zahlreichen Anfragen anderer Clubs nicht aus der Ruhe. „Malsch wäre interessiert, Düsseldorf fragt nach“, plaudert die Ehefrau aus dem Nähkästchen. Um weiterhin ganz vorne mitzuspielen, trainiert der nervenstarke Toufik Faci zweimal pro Woche beim Bouleclub Mühlacker.

Das Trainingsniveau in Mühlacker ist hoch“, erklärt Heike Raab-Faci, dass das sportliche aber auch das menschliche Umfeld stimmt. Ganz allerdings kann Mühlacker dann doch nicht im Vergleich zum Heimatort in Algerien mithalten. Es fehlen die vielen Cafés und vor allem das Meer.