„Wir mussten alles zusammenkratzen“

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Sicheres Auge und ruhige Hand: Die Spieler des Bouleclub Sauberg Mühlacker beziehen ihre Stärke nicht zuletzt aus dem Training mit bisweilen hochklassigen Gästen.
Foto: Stahlfeld

Sicheres Auge und ruhige Hand: Die Spieler des Bouleclub Sauberg Mühlacker beziehen ihre Stärke nicht zuletzt aus dem Training mit bisweilen hochklassigen Gästen. Foto: Stahlfeld

Bouleclub Sauberg Mühlacker spielt auch ersatzgeschwächt erfolgreich – Nun wartet die höchste Liga des Landes

Genau in dem Moment, als Deutschland bei der Fußball-WM das 3:0 gegen Argentinien schoss, da fiel auch für den Bouleclub Sauberg in der
Regionalliga Süd die alles entscheidende Kugel zum Aufstieg. Nun fiebert das Team aus Mühlacker der
Baden-Württemberg-Liga entgegen.

Von Ulrike Stahlfeld


Mühlacker. „Wir haben uns knapp und verdient durchgesetzt“, ist Annet Sturz noch Tage später stolz auf die geschlossene Leistung der Mannschaft, zu der neben sie als Pressewartin, der Präsident des Bouleclubs, Reinhold Oberle, dessen erster Stellvertreter Manfred Schäfer, der zweite Stellvertreter Erhan Coskun, der sportliche Leiter Roland Weinert sowie Jürgen Sturz, Yan Jung, Laura Schuler, Edith Neumeister und Gerhard Wolf gehören.

 Trotz vieler verletzungsbedingter Ausfälle hatten es die zehn Boulespieler immer wieder geschafft, an den fünf Großspieltagen eine sechsköpfige Mannschaft zu stellen, die sich am Ende gegen die starken Favoriten aus Konstanz, Freiburg und Achern durchsetzte. Annet Sturz: „Wir mussten immer alles zusammenkratzen, um antreten zu können.“

Training in Mühlacker auf
einem einzigartig hohen Niveau

 Der Erfolg der Mühlackerer, die nun in der höchsten Klasse in Baden-Württemberg spielen werden, kam überraschend, aber nicht von ungefähr. Das Boule-Spiel wird in Mühlacker seit 24 Jahren groß geschrieben. Präsident Reinhold Oberle: „Und seit zig Jahren sind wir oben mit dabei.“ Die Mehrzahl seiner Mannschaftskameraden verfügt über eine mindestens zehnjährige Spielerfahrung. „Beim Boulespiel lernt man viel durch abschauen und nachmachen“, erklärt Oberle, dessen Verein schon viele erfolgreiche Spieler hervorbrachte. Tobias Müller spielt mittlerweile in der Bundesliga. Und Marcel Raab darf sich deutscher Vizemeister im Doublette nennen.

 Weil aber viele erfolgreiche Mühlacker Gewächse zum Training immer wieder in ihre Heimat zurückkehren, findet auf dem Bouleplatz im Wertle regelmäßig ein Training „auf einem für Baden-Württemberg wohl einzigartig hohen Niveau“ statt, wie Jürgen Sturz betont. Davon profitierte nun auch das aufgestiegene Team, für das nach dem jüngsten Erfolg in diesem Sommer noch nicht Schluss ist.

 Im Verein laufen nicht nur die Planungen für ein Freizeit- und Vereinsturnier am 18. September, auf das sich Interessierte ab 30. Juli immer freitags ab 19 Uhr mit einem Schnuppertraining vorbereiten können. Für den 21. August wird auch zum Ranglisten-Turnier geladen. Dazu werden die besten Spieler Baden-Württembergs erwartet.

Bereits am kommenden Wochenende tritt Annet Sturz gemeinsam mit Philipp Stapf bei den Deutschen Meisterschaften im Mixte in der Nähe von Bonn an. Stapf kommt aus Ötisheim und spielt wie so viele ehemalige Mitglieder inzwischen auswärts. Würde der Stuttgarter Boulespieler wieder nach Mühlacker zurückkehren, dann würde man ihm und anderen Rückkehrern sicherlich nicht die Tür vor der Nase zuschlagen.
 Aktiv um Verstärkung für die im April startende neue Saison will sich der Bouleclub Sauberg allerdings nicht bemühen. Und das ist nicht selbstverständlich. Sturz: „Wir sind vermutlich die einzigen in Baden-Württemberg, die nur mit eigenen Spielern spielen.“ Bei anderen Mannschaften sei es üblich, sich wie im Fußball zu mit auswärtigen Akteuren verstärken. Gute Spieler finde man noch immer in Frankreich, dem Mutterland des Boule.

Boulegelände soll Teil des
Grünprojekts Mühlacker werden


 Würden alle ehemaligen Mühlacker Boulespieler zurück kommen, so hätte man reelle Chancen, auch den Aufstieg in die Bundesliga zu schaffen – das zumindest glauben die Mühlackerer Boulespieler selbst. Mit dem bewährten zusammengeschweißten Team stattdessen sind die Ziele etwas niedriger gesteckt: Oberle und seine Spieler streben erst einmal den Klassenerhalt an.

 Den Präsidenten und seine 45 Mitglieder beschäftigen indes derzeit noch andere Überlegungen. Weil die Bouleplätze des Vereins auf dem Gelände des künftigen Grünprojektes Mühlacker liegen, werden sie wohl spätestens in zwei Jahren, wenn die Arbeiten für diese so genannte „kleine Gartenschau“anlaufen, nach neuen Trainingsmöglichkeiten Ausschau halten müssen. Für die weitere Zukunft allerdings ist Oberle optimistisch. Die Stadtverwaltung Mühlackers sei interessiert, neue Bouleplätze in das Grünprojekt zu integrieren.